– Erfolg

Da war der junge Mann, der nachts um vier wegen Schwindel, den er seit Monaten immer wieder ab und zu verspürte, in die Notaufnahme kam.
Um drei Uhr nachts hatte er schon einen Hausbesuch vom Ärztlichen Notdienst gehabt. „Nicht, dass es das Herz ist“, hatte er der Ärztin seine Bedenken mitgeteilt. Nach gründlicher Untersuchung und Anfertigung eines EKGs hatte sie ihm glaubhaft versichern können, dass dem nicht so sei. Warum er dennoch anschließend mitten in der Nacht das Krankenhaus aufsuchte, konnte ich nicht verstehen. Schmerzen hatte er keine, Luft bekam er gut, ich verstand das Problem nicht.
Ich: „Sie wussten also bereits bevor sie in die NOTaufnahme kamen, dass mit ihrem Herzen alles in Ordnung ist und es sich um keinen NOTfall handelt. Warum also kommen sie zu nachtschlafener Zeit hierher?“
Ich war sehr müde, jenseits von Höflichkeit und brauchte all meine Disziplin, um nicht deutlicher zu werden. Die Vorsilbe „NOT“ hatte ich allerdings stärker betont, obwohl ich mir die Mühe nicht hätte machen müssen, es ging vollkommen ins Leere.
Er: „Ich wollte mal abklären lassen, warum mir manchmal so schwindelig ist. Das ist doch nicht normal.“
Mühsam fand ich einen allerletzten Rest von Disziplin und professionellem Verhalten in mir.
Ich: „Was meinen Sie denn, woran das liegen könnte?“
Er (nachdenklich, zögert, überlegt): „Schlafmangel vielleicht?“
Jajajajajajajajajaja!!!!!!!!! GENAU!!!!!! Natürlich sprach ich das nicht aus. Ich lachte auch nicht. Dazu fühlte ich mich zu schwindelig. Es war jetzt halb fünf und ich hatte noch keine Minute geschlafen.
Die Krankenschwester verließ mit einem prustenden Geräusch den Raum. Vielleicht war ihr auch schwindelig.
Mit dem Patienten konnte ich mich dahingehend einigen, dass er sich nach Hause und zu Bett begeben würde und dass man weitere Untersuchungen, falls erforderlich, TAGSüber machen könnte.
Ein Riesenerfolg, wie jeder weiß, der jemals in einer Notaufnahme gearbeitet hat.

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